Baumschulwirtschaft

Baumschulen – wir sehen sie an Stadträndern, aber auch auf dem „platten Lande“. Denn Bäume wachsen nur in der freien Natur von ganz alleine. Alle Bäume, die im Handel erhältlich sind, werden in Baumschulen gezogen. Im deutschen Gartenbau gehört die Baumschulwirtschaft zu den wichtigsten Sparten. Rund 19.000 ha Fläche werden von circa 2.000 Betrieben genutzt, um die unterschiedlichsten Arten von Nadel- und Laubgehölzen zu produzieren. Das sind mehr als 10% der gesamten Anbaufläche des Gartenbausektors. Für gewöhnlich handelt es sich um Familienbetriebe. Oftmals sind sie bereits seit mehreren Generationen im Familienbesitz. Vom Sämling bis zum Großbaum wird in der Baumschule produziert. Des weiteren finden wir in Baumschulen auch: Rosen, Bodendecker, Hecken- und Kletterpflanzen, Park- und Alleebäume, Ziersträucher und letztlich Blüten- und Obstgehölze. In der heutigen Zeit wird der Großteil der genutzten Baumschulflächen für die Produktion von Ziersträuchern sowie auch Ziergehölzen genutzt.

Wo befinden sich die Produktionsstätten der Baumschulwirtschaft?

Drei Bundesländer sind es, in denen die größten Produktionsstätten gelegen sind. Rund 65 Prozent der gesamten Produktionsfläche verteilt sich auf Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig Holstein. Insbesondere die Anbaugebiete im Landkreis Ammerland / Niedersachsen und dem Landkreis Pinneberg / Schleswig Holstein sind für ihre großen Baumschulen bekannt. Zudem finden wir auch große Anbauflächen in Bayern, Brandenburg und Baden-Württemberg.

Was gibt es Neues aus der Baumschulwirtschaft?

Wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen auch ist in der Baumschulwirtschaft ein Strukturwandel zu verzeichnen. Grund dafür ist die sinkende Zahl der Betriebe. Die verbleibenden Betriebe übernehmen oftmals die Anbaufläche der kleineren, aussteigenden Betriebe. Ein Vorgang, der eigentlich ganz normal ist. Insbesondere in den großen Anbauzentren in Schleswig Holstein, Niedersachsen und Nordrhein Westfalen ist dies eine gängige Vorgehensweise. Die Größe der Betriebe kann variieren. Von einem Hektar bis zu 600 ha ist nahezu jede Größe vertreten. Die Durchschnittsgröße liegt bei gut 10 Hektar. Es ist nicht nur der einheimische Markt, der mit den Pflanzen der Baumschulen des Landes versorgt wird. Mit steigender Tendenz wird auch ein großer Teil der Produktion exportiert. Insbesondere die nachfolgenden Länder stehen auf  der Liste der Abnehmer:
  • Frankreich
  • Schweiz
  • Polen
  • Tschechien
  • Russland
  • die Benelux-Staaten
  • die vier skandinavischen Länder
Für jede Baumschule gibt es eine spezielle Ausrichtung sowie einen Vermarktungsschwerpunkt: Privatkunden, Einzelhandel, die öffentliche Hand oder die Firmen des Garten- und Landschaftsbaus. Als Sonderbereich gibt es noch diverse Betriebe, die sich mit dem Produzieren von Weihnachtsbäumen, Forstbäumen und Spezialkulturen befassen.

Der Klimawandel und die Baumschulwirtschaft

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass das Betreiben einer Baumschule eine grundsolide Angelegenheit ist. Bäume und andere Pflanzen werden schließlich immer benötigt, zum Erhalt von Anlagen, für Neuanlagen und so weiter. Allerdings gibt es für die Baumschulen ein Problem, mit dem vor 20 Jahren noch niemand wirklich gerechnet hat: Der Klimawandel. In diesem Punkt wird nicht die Frage gestellt, woher dieser kommt. Vielmehr besteht die Frage, wie damit umzugehen ist. Denn ein Teil dieser Veränderungen ist die Trockenheit, die immer mehr auch vom Laien festgestellt werden kann. Denn damit ist ein großer Kostenfaktor verbunden. Es ist notwendig, die Trockenheit mit regelmäßigen, ausreichenden Wassergaben auszugleichen. Eine ziemlich kostenintensive Angelegenheit, die so manche Baumschule bereits an den Rand der finanziellen Möglichkeiten gebracht hat. Es werden also neue Wege benötigt, um Wasser zu sparen und die Pflanzen dennoch ausreichend zu versorgen. Ein möglicher Weg wäre die Permakultur mit Dauerhumus. Diese Option ist auch dann angeraten, wenn es sich um eine Region handelt, in der anstelle der Trockenheit eher eine Tendenz zu Starkregen besteht.

Mechanisierte Strukturen und Fachkräftemangel

In der heutigen Zeit ist es schwierig für einen ausreichenden Fachkräftenachwuchs zu sorgen. Immer weniger junge Menschen wollen sich in diesen Beruf einfinden. Sicherlich liegt einer der Gründe, in der Bezahlung während der Ausbildung, aber auch im späteren Nettogehalt. Wie in vielen landwirtschaftlichen Berufen ist es wichtig, von diesem Beruf überzeugt zu sein. In einer Welt, in der alles immer teurer wird und handwerklich bzw. landwirtschaftlich ausgerichtete Berufe kein hohes Ansehen erhalten, ist dies nicht wirklich verwunderlich. Eine neue Lobby täte gut, ebenso eine Umstrukturierung. Denn es sind nicht nur die Fachkräfte, die fehlen. Auch die Saisonkräfte, die oftmals aus den umliegenden EU-Staaten angeworben werden, sind immer schwieriger unter Vertrag zu bringen. Ein weiteres Problem stellt für einige Betriebe die Digitalisierung des Handels und des Vertriebes dar. Durch den internationalen Handel kommt es zu einer Verbreitung von Schädlingen, die bisher nicht bei uns zu verzeichnen waren und gegen die die heimischen Pflanzen noch keine Abwehr entwickelt haben.

Das „grüne Bewusstsein“ der Menschen als Antrieb

Eigentlich dürfte sich die Baumschulwirtschaft nicht beschweren dürfen. Schließlich wächst das „grüne Bewusstsein“ der Bevölkerung von Tag zu Tag. Mittlerweile sind es nicht mehr nur die Eigenheim- und Laubenbesitzer, die an Bäumen und Gehölzen jeglicher Art interessiert sind. Immer mehr Stadtbewohner nutzen ihren Balkon, ihre Terrasse oder die Dachgärten, um mehr Grün in die Städte zu bringen. Somit ergibt sich ein neues Klientel und bedingt auch neue Sträucher und Gehölze, da diese den Gegebenheiten angepasst sein müssen. Auch Eigenheimbesitzer denken wieder um. Die Tendenz von sehr geordneten Gärten, die pflegeleicht sind und über die Jahre wenig bis gar nicht verändert werden, geht zu naturnahen Gärten. Diese sind geprägt von blühenden Blumen, Stauden, Bäumen und Gehölzen. Nicht immer handelt es sich dabei um Zierpflanzen oder die leicht zu pflegenden Bodendecker. Hecken und Sträucher, die Singvögel und Insekten anlocken, können einen großen Anstieg auf der Beliebtheitsskala verzeichnen. Ebenso sind die Spezial-Baumschulen gefragt, die sich mit dem Erhalt von alten Obstsorten befassen. Sie steigen ebenfalls im Ansehen der Gartenbesitzer. Zudem werden sie gerade für Streuobstwiesen benötigt. Sie sind beständiger als die „modernen“ Sorten. Ein Grund, warum auf sie zurückgegriffen wird bzw. sie zum Einkreuzen ausgewählt werden. Es ist wichtig, die Baumschulen zu erhalten und zu unterstützen, um die Pflanzenvielfalt gewährleisten zu können. Wir alle haben schon feststellen können, dass „genormte“ Pflanzen, einheitliche Früchte nicht angenehm sind. Diese Pflanzenvielfalt wird dafür sorgen, dass weiterhin Singvögel und Insekten unsere Gärten bevölkern und gleichzeitig ein angenehmes Ambiente für die Bewohner geschaffen werden kann. Ohne Baumschulen wäre dies gar nicht denkbar.